Markus Hächler

FDP-Vorstandsmitglied und Gemeinderat:

Ressort Soziales, Gesundheit, Landwirtschaft und 1. August

geb. 1956, lic.phil.hist.

Leiter Kommunikation Spital Emmental, Mitglied der Regionalen Sozialbehörde, Sekretär Verein Regionales Schlachthaus Oberbipp.

Verheiratet, zwei erwachsene Kinder.

Freizeitbeschäftigung: Musik, Lesen, Velofahren, Wandern, Garten.


Kontakt: markus.haechler[at]ggs.ch  

 

Interview mit Herrn Hächler

 

"Es braucht eine gewisse Kontinuität"

 

Gemeinderat Markus Hächler (FDP) kandidiert für die zweite Amtsperiode. Im Interview sagt er, warum.

 

Markus Hächler, Sie kandidieren für eine zweite Amtsperiode im Gemeinderat. Warum wollen Sie sich das antun? 

So schlimm ist das gar nicht. Natürlich wird man an Gemeindeversammlungen ab und zu angegriffen, aber das gehört dazu. Warum ich weitermache: Erstens habe ich das seinerzeit bei der ersten Nomination versprochen. Ein Engagement nur für vier Jahre ist in der Regel kein wirklicher Dienst an der Gemeinde. Es braucht eine gewisse Kontinuität. Und zweitens will ich das begonnene Projekt "Wohnen im Alter" zu einem guten Ende bringen.

 

Diesem Projekt weht ja ein steifer Wind entgegen. Was haben Sie falsch gemacht?

Ich habe die Befürchtungen unterschätzt, die im Umfeld des Projekts aufgetaucht sind. Wir wollten im Gemeinderat und bei den Projektträgern vorwärts machen und haben mit unserem Tempo grosse Teile der Bevölkerung überfordert und Misstrauen geweckt. Das lässt sich wieder einrenken, aber die Vertrauensbildung braucht Zeit. Diese fehlt im Milizsystem oft - wir haben alle einen Hauptberuf und können uns nicht vierteilen.

 

Wie geht es jetzt weiter?

Darüber wird der Gemeinderat Parteien und Bevölkerung so bald es geht informieren. Momentan sind wir immer noch am Verhandeln mit dem privaten Projektträger und seinen Investoren und müssen uns bedeckt halten: Jede öffentliche Äusserung kann unsere Verhandlungsposition beeinträchtigen. Es geht um die Höhe und die Art der finanziellen Beteiligung der Gemeinde am Projekt. Einerseits wollen wir unseren Senioren den Verbleib in der eigenen Gemeinde in zentraler Lage ermöglichen. Anderseits haben wir wichtige andere Aufgaben und können uns nicht alles leisten, was wünschbar wäre.

 

Gilt das auch für den Bau einer neuen Turnhalle?

Darum kümmert sich eine Nichtständige Kommission (NSK), in der unsere Liste 2 mit Christian Lanz (BDP) und Reto Flury (FDP) prominent vertreten ist. Für finanzielle Aussagen ist es noch zu früh. Was ich dazu sagen kann: Der Bedarf der Vereine ist gegeben.

 

Stichwort Dorfvereine: Sie sind nirgendwo Mitglied. Warum nicht?

Ich sang jahrelang im Männer- und danach im Kirchenchor mit. Momentan konzentriere ich mich auf den Beruf - ich habe im Juli mit 60 Jahren eine neue, verantwortungsvolle Stelle im Spital Emmental angetreten - sowie das Gemeinderatsamt. Die knappe Freizeit nutze ich für die Familie. Das Engagement der Vereine für unser Dorfleben ist für mich aber keine Selbstverständlichkeit. Wir haben es am Industriezmorge von Stefan Costa, dem Geschäftsführer der Region Oberaargau, gehört: Längst nicht alle Gemeinden sind in der glücklichen Lage, so viele engagierte Vereine zu zählen. Der Gemeinderat ist sich dessen bewusst und sorgt seit Jahren dafür, dass die Vereine finanziell unterstützt werden. Und mit dem Oberbipper Preis, der alljährlich am 1. August verliehen wird, zeichnen wir seit drei Jahren auch Einzelpersonen aus, die sich um das Zusammenleben in unserem Dorf verdient gemacht haben.

 

Sie sind im Gemeinderat für Soziales, Gesundheit, Landwirtschaft und die 1.Augustfeier zuständig. Ein merkwürdiges Sammelsurium.

Das sieht tatsächlich so aus, aber es gibt eine Klammer: den Zusammenhalt in unserer Gemeinschaft. Dieses Thema hat mich zeitlebens interessiert. In der Sozialpolitik geht es darum, dass in unserer Gesellschaft niemand abgehängt wird, auch jene nicht, welche nicht die gleich guten Voraussetzungen für eine Arbeit in unserer hochspezialisierten Wirtschaft mitbringen wie andere. Der 1. August fällt ins gleiche Kapitel: Auch hier geht es um die Pflege der Gemeinschaft, um nationale Tugenden wie Bescheidenheit, Fleiss, Toleranz und die Rücksicht auf Minderheiten. Denn die Schweiz ist ein Volk von Minderheiten - niemand kann eine "Diktatur der Mehrheit" ausüben und den anderen seine Meinung aufoktroyieren. Das ist unser Erfolgsrezept und unsere Identität als Volk - dahinter stehe ich mit Herzblut.

 

Und die Landwirtschaft?

Sie ist neben dem Pflegesektor und den Blaulicht-Organisationen - Rettungsdienste, Feuerwehr, Polizei - die gemeinnützigste Branche, die es gibt: Sie sorgt dafür, dass wir etwas auf den Teller bekommen, in einer gepflegten Landschaft leben und uns an alten Bräuchen wie dem Hornussen oder dem Schwingen erfreuen können. Wem das jetzt zu romantisch tönt, der soll sich mal im Ausland umsehen. Dort wird die Landwirtschaft ihrem Schicksal überlassen, ohne Unterstützungsbeiträge des Staates.

 

Für einen Freisinnigen sind das eher ungewohnte Ansichten.

Die FDP ist eine sehr breit abgestützte Partei, notabene die älteste in der Schweiz und die Gründerin des modernen Bundesstaates. Seit ihrer Gründung vertritt sie die liberale Grundposition: Der Einzelne soll so frei wie möglich sein, wirtschaftlich, politisch und religiös. Der Staat soll dort eingreifen, wo es wirklich nötig ist. Das ist auch mein Credo.